Afghanistan Abschiebung – Deportations to Afghanistan

English version below

Beim Thema Abschiebung nach Afghanistan hört und liest man eine Vielzahl von erschreckenden  Informationen, das Auswärtige Amt warnt vor Reisen nach Afghanistan. Unter „aktuelle Hinweise“ ist zu lesen: Bombenanschläge, bewaffnete Überfälle und Entführungen gehören seit Jahren in allen Teilen von Afghanistan zum Angriffsspektrum der regierungsfeindlichen Kräfte. (…) So fanden auch in den letzten Monaten mehrere schwere Anschläge mit zahlreichen Opfern statt, darunter ein Anschlag auf eine Nicht-Regierungsorganisation (…). Zudem: „Wer dennoch reist, muss sich der Gefährdung durch terroristisch oder kriminell motivierte Gewaltakte einschließlich Entführungen bewusst sein. Auch bei von professionellen Reiseveranstaltern organisierten Einzel- oder Gruppenreisen besteht unverminderte Gefahr, Opfer einer Gewalttat oder einer Entführung zu werden.“ 1 Reisen bleibt gefährlich, dort zu leben ist aber scheinbar in Ordnung. „Wegen immer wieder und in vielen Landesteilen aufflammender Kämpfe zwischen afghanischen Sicherheitskräften und vor allem den Taliban, aber auch dem regionalen Ableger des sogenannten Islamischen Staats, ist die Sicherheitslage in großen Teilen des Landes unübersichtlich und nicht vorhersehbar.“ 1  Die Zahl der zivilen Opfer in Afghanistan erreicht 2016 einen Höchststand. 2 „3.498 Tote, 7.920 Verletzte – insgesamt 11.418 Opfer hat die UNAMA in ihrem Jahresbericht für 2016 dokumentiert. Die Zahl liegt damit noch einmal drei Prozent höher als im vergangenen Jahr und stellt den höchsten Wert dar, seit UNAMA 2009 mit der Dokumentation begonnen hat. Die erfasste Gesamtzahl der zivilen Opfer im Afghanistan-Konflikt seit 2009 liegt damit bei über 70.000 – davon fast 25.000 Todesopfer.“ 3

Jeden Tag sterben dort Menschen, umgebracht durch die Taliban oder den IS. Menschen werden verschleppt, gequält und von der Familie getrennt.

Wir als Initiative  bekommen täglich von Geflüchteten persönliche Leidensgeschichten erzählt. Wir erfahren zunehmend in letzter Zeit von Geflüchteten aus Afghanistan, die abgeschoben werden sollen. So heißt es:

„Der Antragsteller wird aufgefordert, die Bundesrepublik Deutschland innerhalb von 30 Tagen nach Bekanntgabe dieser Entscheidung zu verlassen (…) Sollte der Antragssteller die Ausreisefrist nicht einhalten, wird er nach Afghanistan abgeschoben“. 4

Hier geht es nicht um irgendwelche Zahlen, hier geht es um Menschen. Menschen, die so langsam in ihrer neuen Heimat angekommen sind und sich ein neues Leben aufbauen. Menschen, die Freunde hier haben und deren altes Zuhause nicht mehr so besteht, wie sie es mal kannten. Wir stehen unseren Freunden und Freundinnen ratlos zur Seite, wenn wir von diesem Brief erfahren, wenn wir mit ihnen gemeinsam überlegen, was nun zu tun ist, wie wir diesen Alptraum rückgängig machen können.

Diesen Menschen muss man nicht mehr erklären, wie es in Afghanistan aussieht und dass es nicht menschlich ist, jemanden dort in den wahrscheinlichen Tod zu schicken. Es werden Menschen abgeschoben, die sich hier in neues Leben aufbauen- sie finden Freunde, sie finden Familie, sie lernen eine neue Sprache, sie gehen zur Schule, sie wachen hier auf und gehen hier schlafen, sie machen sich Hoffnungen, sie weinen, sie gehen hier einkaufen, sie bekommen hier Babys, sie suchen sich eine Ausbildung- weil sie hier bleiben wollen. Dennoch zählt das menschliche hier nicht, sondern Geld und Zahlen. In Europa kann man die Auswirkung des sogenannten Islamischen Staates seit einiger Zeit miterleben- Attentate auf Menschen, die Schrecken verbreiten, Angst schüren, geregeltes Leben durcheinander bringen. In Afghanistan und anderen Ländern ist dies Alltag. Und das wovor die deutsche Regierung so viel Angst hat- in solch eine Situation werden die Menschen zurückgedrängt, die abgeschoben werden sollen. Aus dem Auge, aus dem Sinn.

Wir als Initiative, die diese Menschen auf ihren Wegen hier begleitet, mitfühlt unterstützt und wertschätzt, wir stehen mit ihnen zusammen und sagen deutlich:

Wir lehnen alle Abschiebungen ab.
Man kann durch Abschiebungen kein menschliches Leid rückgängig machen oder beheben, man kann durch Abschiebungen kein Land sicherer machen, man kann durch Abschiebungen nachts nicht ruhiger schlafen und man schafft durch Abschiebungen keine Gerechtigkeit auf dieser Welt.

Quellen unten / Sources below
English Version

You can read a lot of terrifying things, when you read about deportations to Afghanistan.
The german foreign office warns travelers who travel to Afghanistan, you can read on their webpage that bomb attacks, armed robberys and kidnapping are part of the daily life in Afghanistan. In the past few months it came to hard attacks with numerous victims, also an attack of an NGO. Who still travels has to take the risk of terrorist or criminal motivated violence acts. Even with professonal travel organisations there is the chance, of becoming a victim of a violene crime or kidnapping. 1 Travelling becomes dangerous, however to live there seems safe for the people that fled the country. The safety in a lot of parts of the country has become unpredictible due to the Taliban and the upcoming IS groups. 1 The numbers of civil vitims has reached a high in 2016. 3498 deaths, 7920 hurted, 11418 victims the UNAMA has documented in 2016. 2 The number has increased by 3% since 2015 and has made up the highest number since UNAMA has started to document them in 2009. In total it has been 70.000 victims, 25.000 of them killed. 3
People who are aware of the security situation in Afghanistan and people who have been in Afghanistan for a while. Every day, people, attacked by the Taliban or the IS, are dying, tormented and separated from their family.

We as an Initiative hear about personal storys of suffering by refugees every day. We hear more and more about people who are being deported back to Afghanistan. One reads: „The applicant is requested to the Federal Republic of Germany within 30 days of this announcement to leave on their own decision (…) If the applicant does not comply with the departure deadline, he will be deported to Afghanistan.“ 4

This is not about any numbers, it is about people. People who have slowly arrived in their new home, and are about to build a new life. People who have friends here and whose old home is not there as they have known it. We are standing next to our friends, helpless, when we hear about their letter in which it says they are being deported. We are thinking together to find a soultion so the nightmare will not become true.

These people do not want to be in Afghanistan. They are deprived of a new life, they have a family, they learn a new language, they go to school. Nevertheless, the human life does not count, only money and numbers. In Europe, the impact of the so-called Islamic state has been experienced for some time – assassination attempts on people, spreading fear, fomenting anxiety, disturbing regulated life. In Afghanistan and other countries this is everyday life. All what the German government is so afraid of, and these people are brought back into it.

We as an initiative, who supports people here on their ways, who show support, we stand together with them and say clearly: we reject all deportations. You can not undo or correct any human suffering by deportation, you can not make a country safer by deportations, you can not sleep peacefully by deportations at night and you can not create justice in this world by deportations .

1 https://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/AfghanistanSicherheit.html
2 http://www.zeit.de/news/2017-02/06/afghanistan-uno-zahl-ziviler-opfer-in-afghanistan-erreichte-2016-neuen-hoechststand-06075803
3 https://www.proasyl.de/news/mehr-zivile-opfer-mehr-vertriebene-afghanistan-wird-immer-unsicherer/
4 Aus einem Bescheid des BAMF – out of a notice from the BAMF

Hinterlasse eine Antwort